Instrumentaufbau und Geschichte
Das Violoncello (frz. violoncelle), in Kurzform auch Cello genannt, stellt das Baßinstrument der Streichinstrumente in Violinform (Viola da braccio, Violine) dar. Die noch heute gültige Stimmung C G d a ist laut Preatorius schon in der 2. Hälfte des 16. Jh. aufgekommen. Außer dem Violoncello gab es im 16./17. Jh. noch ein anderes Baßinstrument aus der Familie der Viola da braccio in der Stimmung 1B F c g. Dieses Instrument mit etwas größerem Corpus blieb vor allem in Frankreich unter der Bez. basse de violon bis Anfang des 18. Jh. vorherrschend. Neben dem viersaitigen Vc. wurden auch fünf- bis sechssaitige Instrumente gebaut. Unter den 6 Suiten für Violoncello solo von J. S. Bach (BWV 1007-1012; aus der Köthener Zeit) verlangt die 5. Suite Scordatura, die 6. Suite ein fünfsaitiges Instrument. Die klassische Mensur des Violoncello fand A. Stradivari um 1710 mit 75-76 cm Corpuslänge und 11,5 cm Zargenhöhe. Danach wurden im 18. Jh. zahlreiche ältere Violoncelli, aber auch Gamben und die bis um 1800 anzutreffenden Mischformen aus beiden Typen umgebaut, zugleich mit Änderung des geraden Halses in einen schrägen. Der Gebrauch des Stachels wurde erst um 1860 üblich. Im 18. Jh. entstanden auch kleinere Sonderformen des Violoncello wie Viola da spalla oder Violoncello piccolo (Viola pomposa).
Sonaten für das Violoncello schrieben Giuseppe Jacchini (um 1700), Pietro Giuseppe Gaetano Boni und Salvatore Lanzetti, Konzerte Jacchini, Vivaldi, Tartini, Leo (6 Konzerte, 1737/38) und Boccherini. Violoncello-Konzerte komponierten ferner Holzbauer, Filtz, C. Stamitz, Monn und J. Haydn (wahrscheinlich 5 Konzerte Hob. VII b). - Den schon vorher üblichen Daumenaufsatz systematisierte L. Duport zusammen mit dem gesamten Fingersatz. Die Notierung des Daumenaufsatzes ist o oder P (= pouce) oder C. T. (= Capo Tasto). - L. und sein älterer Bruder P. Duport gelten als die bedeutendsten Anreger des neuen Violoncello-Spiels in der Solo- (Beethoven op. 5) und Kammermusikliteratur. Befreit von seiner Rolle als Baß und somit im Orchester von der colla-parte-Führung mit den Kontrabässen, wurde das cantable Spiel, bes. auf der d- und a-Saite, ein Charakteristikum des Vc., vor allem in der Romantik. Werke mit konzertierendem Violoncello schrieben im 19. und 20. Jh. u.a.R. Schumann, Saint-Saėns, Tschaikowsky (»Variationen über ein Rokokothema«) Brahms (Doppelkonzert für V. und Violoncello), Dvorák (1895), R. Strauss (Don Quixote, mit Va und Violoncello), Pfitzner, Chatschaturjan, Hindemith, Henze (Ode an den Westwind, 1954) und Penderecki (Sonata, 1964). - Lehrwerke veröffentlichten u.a. Charles Nicolas Baudiot (1805, 1837), Dotzauer, Dawydow, B. Romberg, Grützmacher, Stutschewsky und Eisenberg.
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