Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin
Leo-Borchard-Musikschule
STEGLITZ-ZEHLENDORF
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"Musik kennt keine Grenzen"

Musik kennt keine Grenzen

Ein Projekt der Leo-Borchard-Musikschule in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Zehlendorf


Seit November 2016 findet im Rahmen des Projektes "Musik kennt keine Grenzen" ein Mal wöchentlich Instrumental- und Vokalunterricht für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Willkommensklassen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf statt.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit der Leo-Borchard-Musikschule mit der Bürgerstiftung Zehlendorf, finanziert mit Mitteln aus dem "Masterplan Integration und Sicherheit" des Landes Berlin. Bereits seit Februar des letzten Jahres lief ein Vorläuferprojekt mit alleiniger Finanzierung der Bürgerstiftung Zehlendorf.

Die pädagogische Koordination des Projektes übernimmt die Musikschule Steglitz Zehlendorf, im Besonderen der Fachbereich Musikalische Grundstufe durch Elisabeth Riesel und Jennifer Scheibel. Jennifer Scheibel unterrichtet auch selbst in zwei Willkommensklassen am Willi Graf Gymnasium gemeinsam mit dem freiberuflichen Gesangslehrer Vivian Lüdorf. Die verwaltungstechnische Organisation wird von der Bürgerstiftung Steglitz-Zehlendorf und deren Vorsitzenden, Karin Lau, übernommen.


Musik kennt keine Grenzen

Interview

Wie kommt das Projekt bei den Schülerinnen und Schülern an?

Elisabeth Riesel: Aus den Erfahrungen mit dem Vorläuferprojekt konnten wir für das jetzige Projekt "Musik kennt keine Grenzen" großen Gewinn ziehen. Dabei war eine Haupterkenntnis, dass der Vorlauf um den Unterricht zu starten eher lang ist. Viele Umstände spielen in das Gelingen des Unterrichts mit hinein, so zum Beispiel der gute Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern in den Willkommensklassen oder Flexibilität auf Bewegungen in der Gruppe zu treffen, wenn beispielsweise Kinder/Jugendliche in die Regelklasse wechseln oder umziehen müssen.

Musik kennt keine Grenzen - Jennifer Scheibel und
Elisabeth Riesel
Jennifer Scheibel, Elisabeth Riesel

Jennifer Scheibel: Die Kinder nehmen den Unterricht mit großer Begeisterung auf. Viele freuen sich regelrecht die ganze Woche darauf, dass die Musiklehrer kommen. Sie fühlen sich angenommen, lernen schneller Deutsch und hatten eine schöne Zeit bisher mit uns.
Bei dem ersten kleinen Konzert im Sommer 2016 strahlten die Kinder und Jugendlichen, die auf der Bühne standen, eine wahnsinnige Lebensfreude und Spaß an der Musik aus.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Zehlendorf ab?

Jennifer Scheibel: Die Bürgerstiftung Steglitz-Zehlendorf vertraut auf unsere pädagogische Erfahrung und überlässt uns die Auswahl der Projekte und der damit verbundenen Lehrer. Frau Lau hat zu Beginn des Projekts alle Allgemeinbildenden Schulen kontaktiert und das Interesse an einem Musikprojekt für Willkommensklassen abgefragt. Insgesamt 7 Schulen haben sich zurückgemeldet.
Parallel haben Frau Riesel und ich die Lehrkräfte der Musikschule abgefragt. Es haben sich viele zurückgemeldet, wir haben dann für jede Schule eine passende Lehrkraft ausgesucht und an die Schulen vermittelt.

Elisabeth Riesel: Vor allem der enge Kontakt zu Frau Lau und die schnelle Kommunikation zwischen ihr und uns erleichtern und bereichern die Arbeit ungemein.

Was sind für die beteiligten Lehrkräfte besondere Herausforderungen?

Jennifer Scheibel: Die wohl größte Herausforderung ist es, sich auf die Kinder und Jugendlichen einzulassen. Sie können noch nicht richtig Deutsch, kommen aus einer anderen Kultur und die meisten haben bereits traumatische Erlebnisse durch Krieg, Verfolgung und Flucht aus ihrer Heimat hinter sich. Auch wenn meine Schüler im Willi Graf Gymnasium ganz normale Teenager sind, blitzen doch manchmal zu seltenen Gelegenheiten ungewöhnliche emotionale Seiten an ihnen hervor. Da kann es sein, dass sich ein Jugendlicher plötzlich zurückzieht und beginnt zu weinen, oder jemand reagiert aggressiv auf eine scheinbar harmlose Situation.
Die Kinder sind auch mit westlicher Musik gar nicht sozialisiert worden. Beatles-Lieder zum Beispiel kennen sie gar nicht, deutsche Kinder - und Volkslieder ebenso wenig.
Vivian Lüdorf und ich versuchen, ein möglichst breites Spektrum aus westlicher Musik abzudecken. Eine Schwierigkeit hierbei ist auch noch, dass die Kinder fast alle kein Englisch sprechen und die englischen Texte nur durch Gehör erlernen. Wir übersetzen aber gemeinsam die Stücke.

Elisabeth Riesel: Es bedarf auch eines engen Kontakts und Austauschs zu den Lehrerinnen und Lehrern der Willkommensklassen um zum bespiel besondere Hintergründe einzelner Kinder besser einordnen und verstehen zu können.

Arbeitet ihr mit vollständigen Klassen oder auch mit Einzelpersonen?

Jennifer Scheibel: Am Willi Graf Gymnasium haben wir zwei Willkommensklassen, insgesamt sind das 25 Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 17 Jahren. Wir arbeiten mit allen Schülern zur gleichen Zeit.
Einige dieser Schüler haben das Ziel, ein Einzelinstrument - wie beispielsweise Gitarre - zu erlernen. Während des Unterrichts nehme ich mir öfter ein paar Minuten, um den interessierten Kindern dann im Einzelnen Gitarrengriffe zu zeigen und die Liedbegleitung zu den Stücken zu üben, die wir dann gemeinsam mit allen zusammen singen.

Elisabeth Riesel: Die Gruppenzusammensetzung ist bei jeder Schule verschieden. Manchmal sind es halbe Willkommensklassen, dann wieder nur Schüler, die sich extra für das Projekt angemeldet haben. Meistens sind es jedoch ganze Klassenverbände, die die Dozentinnen und Dozenten unterrichten. Einzelunterricht können wir leider im Rahmen des Projekts nicht anbieten.

An wen kann sich eine Schule aus dem Bezirk wenden, die Interesse an eurem Projekt hat?

Elisabeth Riesel: Die Bürgerstiftung - und hier vorrangig Karin Lau - übernimmt die Organisation des Projekts. Interessierte Schulen sollten sich an Sie wenden.

Was wünscht ihr euch für das Projekt im Jahr 2017?

Elisabeth Riesel: Ich wünsche mir eine gemeinsame Aufführung zum Sommer hin und auch eine Weiterführung des Projekts nach den Sommerferien.

Jennifer Scheibel: Ich wünsche mir, dass unsere motivierten Lehrerinnen und Lehrer weiterhin so eine Freude an dieser bereichernden Arbeit haben und die Kinder und Jugendlichen ihren Eifer und Lernwillen nicht verlieren.